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Die Sterilisation des Mannes
 
Vor allem Ehepaare mit abgeschlossener Familienplanung denken über dauerhafte Verhütungsmethoden nach. Das weltweit am meisten angewandte Verfahren ist die Sterilisation des Mannes. Sie ermöglicht eine sichere Verhütung und ist bei überschaubaren Risiken schnell und einfach durchzuführen. Dabei wird ein Stück des Samenleiters entfernt, so dass keine Spermien, die im Hoden gebildet werden, nach außen gelangen können. Die Hormonproduktion des Hodens bleibt dabei unbeeinflusst.

Ist es das für uns geeignete Verhütungsverfahren?

Immer dann, wenn die Familienplanung vollständig abgeschlossen ist, kann die Sterilisation als Verhütungsmethode geeignet sein. Bei Befragungen nach der Sterilisation waren zwischen 93 und 99,3% der behandelten Männer mit ihrer Entscheidung zufrieden. Sie sollten sich vorher folgende Frage stellen: Sollte die Sterilisation beim Mann aus technischen Gründen undurchführbar sein, wäre dann die Partnerin auch bereit sich einer Sterilisation zu unterziehen? Wenn Sie diese Frage mit ja beantworten können, so wird die Entscheidung für die Art der Familienplanung offensichtlich auf der Basis einer stabilen Beziehung getroffen und sie werden mit der Entscheidung zufrieden sein.

Ist die Sterilisation wieder rückgängig zu machen?

Langfristig sind die meisten Männer mit dem Eingriff zufrieden. Wenige Männer haben allerdings unerwartet später doch noch einen Kinderwunsch (meist nach Ehescheidung/Trennung). In diesem Fall kann der Samenleiter durch spezialisierte Operateure unter dem OP Mikroskop in Vollnarkose oft wieder zusammengefügt werden. In durchschnittlich 89% der Patienten kann dann eine erneute Durchgängigkeit der Samenleiter wiederhergestellt werden.

Wie ist die Sexualfunktion nach dem Eingriff?

Das Verlangen nach Liebe, die so genannte Libido, bleibt unverändert. Erektion (Stehvermögen des Penis), Ejakulation (Ausstoßen von dann spermienfreier Samenblasenflüssigkeit) und Orgasmus bleiben erhalten. Die Testosteronproduktion der Hoden ändert sich nicht.

Wie wird der Eingriff vorgenommen?

Meist in lokaler Betäubung (>90% der Fälle). Hierbei wird in die Hodensackhaut in der Mittellinie unter dem Penis (hier ist bei den meisten Männern ein stärker pigmentierter Streifen) ein lokales Betäubungsmittel eingespritzt. Zusätzlich wird der Samenstrang links und rechts der Peniswurzel durch weitere Injektionen betäubt. Genau über dem Samenleiter erfolgt dann ein kurzer Hautschnitt. 1-2cm des Samenleiters werden freigelegt und anschließend entfernt. Die Samenleiterstümpfe ober- und unterhalb werden verschlossen. Gleiches Vorgehen auf der Gegenseite, wobei meist der gleiche Hautschnitt benutzt werden kann. Die Wundränder werden adaptiert und mit einem sterilen Verband bedeckt.

Warum muss man nach der Sterilisation anfangs zusätzlich verhüten?

Der Hoden produziert kontinuierlich Spermien. Um beim Geschlechtsakt ausreichend Spermien zur Verfügung zu haben (50-250 Millionen/Samenerguss) ist von der Natur eine Speicherung in den Samenwegen und Samenbläschen vorgesehen. Diese sind nach der Sterilisation natürlich noch mit befruchtungsfähigen Spermien gefüllt. Deswegen muss die Verhütung bis zum Nachweis der Unfruchtbarkeit aus 3 Samenproben fortgeführt werden. Die Ejakulation (dh. das Ausstoßen von dann spermienfreier Samenblasenflüssigkeit) bleibt auch nach der Sterilisation erhalten

Kann es Komplikationen geben?

Bei 5-10% der Patienten können nach der Operation Komplikationen auftreten. Dies sind meist Blutergüsse im Hodensack, selten Wundinfektionen, Schwellung und Nebenhodenentzündung. Theoretisch kann auch die Arterie verletzt werden, die den Hoden mit Sauerstoff versorgt. Wird diese Arterie unterbunden, entsteht auf der betroffenen Seite ein funktionsloser Schrumpfhoden, der lediglich aus Bindegewebe besteht. Problematischer sind Komplikationen die verspätet auftreten: Etwa 2% der Patienten (Kliesch 1998) werden im Hodenbereich sehr berührungsempfindlich, was sowohl den Geschlechtsverkehr als auch das alltägliche Leben beeinträchtigen kann. Dies kann durch einen erneuten Eingriff behandelt werden (Vaso-vasostomie, Denervierung des Samenstranges, Nebenhodenentfernung).

Übernimmt die Krankenversicherung die Kosten?

Das Informationsgespräch mit Ihrem Arzt wird von der Krankenkasse bezahlt. Die Kosten für die Sterilisation selbst werden sowohl von privaten als auch gesetzlichen Krankenversicherungen nicht übernommen. Für die Sterilisation einschließlich Nachkontrollen entstehen Kosten in Höhe von etwa 500 Euro. Die Abrechnung erfolgt nach der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte. Die Angabe von Pauschal- oder Festpreisen ist nach der Berufsordnung nicht möglich.

Wie sicher ist die Verhütung?

Es gibt mehrere Sicherheitsmaßnahmen nach der Sterilisation, um die Samenleiterunterbrechung nachzuweisen.

Die entfernten Samenleiterstückchen werden durch einen Pathologen unter dem Mikroskop untersucht, um einen theoretisch möglichen Irrtum des Operateurs auszuschließen.

Die bisherige Verhütung muss nach dem Eingriff anfänglich fortgeführt werden, da die Samenblasen nach der Unterbrechung des Samenleiters noch mit Spermien gefüllt sind. Nach 12,13 und 14 Wochen wird jeweils Samenblasenflüssigkeit unter dem Mikroskop untersucht, um Spermienfreiheit nachzuweisen.

Allerdings kann kein Verhütungsverfahren hundertprozentige Sicherheit garantieren. Auch Jahre nach der Operation ist ein spontanes Zusammenwachsen des Samenleiters in Einzelfällen möglich. Deswegen sind weitere Ejakulatuntersuchungen 6, 9, 12 und 24 Monate nach dem Eingriff zu empfehlen, um dies frühzeitig zu erkennen.

Bei 98-99% der Sterilisierten sind nach dem Eingriff im Samenerguss keine Spermien mehr nachzuweisen (so genannte Azoospermie).

Wird dies erreicht, ist das Risiko, durch ein spontanes Zusammenwachsen des Samenleiters später erneut fruchtbar zu werden, mit 0,3-0,5% relativ gering.

Ist das Auftreten von Hoden- oder Prostatakrebs nach dem Eingriff häufiger?

Nein. Eine frühere Studie, die ein erhöhtes Auftreten von Prostatakrebs nach der Sterilisation zeigte, wurde durch jüngere Studien mit verbesserter Methodik und größerer Patientenzahl widerlegt.

Wie lange bin ich nach dem Eingriff arbeitsunfähig?

Ich empfehle 3-4 Tage Ruhe, bis Sie wieder vollständig arbeitsfähig sind. Auf Sport und Geschlechtsverkehr muss 14 Tage verzichtet werden. Der Hodensack besteht aus sehr weichem Gewebe, in das viel Flüssigkeit eingelagert werden kann (sogenanntes Ödem). Werden die ersten Tage nach dem Eingriff überwiegend liegend verbracht, treten Schwellung und Schmerzen kaum auf und das Risiko von Wundheilungsstörungen ist minimal.

 
     
Urologisch-allgemeinmedizinische Gemeinschaftspraxis
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Dr. med. Andreas Schmidt
Urologe-Androloge
Medikamentöse Tumortherapie
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